
Peak-Oil
Der Begriff Peak Oil beschreibt den Zeitpunkt, an dem die Förderung konventionellen Erdöls ihren Höhepunkt überschreitet und die Nachfrage nicht mehr abgedeckt werden kann. Der Ausdruck Peak Oil umschreibt also nicht etwa das Ende des Erdölzeitalters in dem wir Leben. Auch nach Peak Oil gibt es noch Erdöl. Aber jedes Jahr weniger, wodurch Energiekrisen, Instabilitäten an den Finanzmärkten und Kriege entstehen können. „Der letzte Tropfen Erdöl werde vielleicht erst im nächsten Jahrtausend gewonnen werden, Peak Oil bedeute vielmehr nur den Beginn der zweiten Halbzeit“, so Daniele Ganser, Schweizer Geostratege und Friedensforscher. In vielen Ländern wurde diese zweite Halbzeit bereits erreicht. In den USA geschah das 1970, in Indonesien 1977 und in Grossbritannien um die Jahrtausendwende. Seitdem sind diese Länder nicht mehr Ölexporteure, sondern Nettoölimporteure, die sich bei ihrer Ölversorgung auf ausländische Quellen stützen müssen!

Jede fündige Erdöl- und Erdgasbohrung besitzt ein Produktionsprofil. Dieses beginnt bei „Null“ und steigt bis zum „Maximum“, dem sogenannten Produktions-Peak (engl.=Gipfel) und geht dann laufend wieder auf „null“ zurück. Wo das Maximum der Weltölförderung liegen wird, weiss noch niemand. Noch 1945 haben wir global pro Tag 6 Millionen Fass (zu 159 Liter) Erdöl verbraucht. 1970 waren es 50 Millionen Fass. Heute sind es unglaubliche 85 Millionen Fass Erdöl die wir jeden Tag verbrauchen. Manche Experten sehen die Förderobergrenze bei 120 Millionen Barrel pro Tag. Der Verbrauch steigt von Jahr zu Jahr um 2 Millionen Barrel pro Tag, aber nur eine Million neues konventionelles Öl wird noch entdeckt. Schon vor dem Erreichen des Peak Oil, also dem Beginn der zweiten Halbzeit, wird es zu einem harten Wettbewerb zwischen den grossen Verbrauchsregionen Nordamerika, China und Indien, sowie der EU und Japan kommen. Wir leben unter der Täuschung, dass stets billiges Erdöl ins System fliessen kann, denn das war in den letzten 60 Jahren der Fall. Doch es ist eine trügerische Zeit, weil sie durch einen regelrechten Erdölrausch geprägt ist, der so historisch einzigartig ist und sich nie mehr wiederholen wird. Wir sind als Weltgemeinschaft regelrecht süchtig nach dem schwarzen Gold und glauben, dass es immer zur Verfügung steht. Daniele Ganser erwartet, dass wir den globalen Peak Oil zwischen 2010 und 2020 erreichen werden. Danach hat es zwar noch Erdöl, aber von Jahr zu Jahr weniger. Das Erdöl wird nach dem Erreichen des Peak Oil viel teurer werden. Denn die Nachfrage ist steigend, China und Indien industrialisieren, ihr Durst ist gross. Auch die USA und die EU brauchen viel Erdöl. Die USA ist grösster Konsument mit rund 20 Millionen Fass, die EU mit ihren 27 Mitgliederländern etwa 14 Millionen Fass, China rund 9 Millionen Fass, pro Tag versteht sich!
Ein wenig „Entlastung“ bei diesem Ringen um konventionelles Öl bringen die Erschliessung von Ölsänden in Kanada oder anderswo sowie eine stärkere Nutzung von Erdgas, Kohle oder Kernenergie. Aber das bedeutet nur eine Phasenverschiebung, denn auch diese Energieträger sind endlich und werden ihren Peak erreichen. Um diese Lücken zu füllen, müssen vermehrt erneuerbare Energien eingesetzt werden. Wenn nach dem Peak Oil der Erdölpreis ansteigt, wird dies uns zwingen, vertieft über unsere Energieabhängigkeit nachzudenken. Das zumindest ist eine gute Folge von Peak Oil, denn zurzeit ist Energie so billig, dass ich kaum jemand darüber ernsthafte Gedanken macht. Aber wie sollen wir nach dem Peak Oil alle Menschen auf der Welt mit Energie versorgen? Wie können wir verhindern, dass nach dem Erreichen des Peak Oil die Wirtschaft in eine Rezession gerät, was wiederum zum Anstieg der Arbeitslosigkeit führt?
Viele Menschen, die zum ersten Mal von den Phänomenen Peak Oil und Peak Gas hören und sich über die weit reichenden globalen Konsequenzen Gedanken und auch Sorgen machen, stossen auf die Frage: Führt das zu Krieg? Und führt der Krieg zu Terror, wenn muslimische Länder besetzt werden, da sie über die grössten Erdölreserven verfügen?
Diese Fragen sind politisch sehr brisant. Einerseits wäre es unsinnig zu behaupten, dass alle Kriege sich um Erdöl oder Erdgas drehen. Dies wird sofort klar, wenn man bedenkt, dass die Erdölgeschichte nur 150 Jahre alt ist, während die Menschen untereinander schon seit tausenden von Jahren Kriege führen.
Andererseits wäre es falsch zu behaupten, dass niemals mit Gewalt um Erdöl oder Erdgas gekämpft wurde und wird, und dass der kommende Peak Oil solche Kämpfe nicht intensivieren kann. Denn alle Industriestaaten sind in sehr hohem Grade vom Erdöl abhängig. Die Kontrolle über grosse Erdölreserven zu erlangen, auch mit dem Instrument des Krieges, kann ein Ziel der Machtpolitik sein. Deshalb kommt dem Erdöl in der internationalen Politik auch heute eine strategisch äusserst wichtige Rolle zu. Die Kriege der USA im Irak, die Nato in Afghanistan und die Chinesen im Sudan, das sind reine Ressourcenkriege. Und dass wir alle in diese Kriege verwickelt sind, das muss uns schon beim Autofahren bewusst werden…
Die Primärenergiequellen in der Linie A sind alle nicht erneuerbar und weisen auf der Zeitachse einen Peak auf, dies ist ihr Nachteil. Dafür sind sie stark konzentriert und haben ein grosses Kraftpotential, das ist ihr Vorteil. Die Linie A dominiert die globale Energieversorgung.
Die Primärenergien der Linien B und C sind alle erneuerbar und haben keinen Peak, das ist ihr Vorteil. Jedoch ist ihr Kraftpotential kleiner, und ihr Anteil am globalen Energiemix ist noch bescheiden, das ist ihr Nachteil. Daher ist das Fördern der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz, im Feld C 4 als „Joker“ bezeichnet, für die Schweiz und auch für andere Länder von grösster Wichtigkeit.
24. Oktober 2010, Thomas Hablützel
- ASPO Schweiz (Association fort her Study of Peak Oil), www.peakoil.ch
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